Im Garten

Viele Jahre war meine Gartenliebe rein theoretisch. Ich lebte in einer Altbauwohnung in der Innenstadt. Meine Terrasse war der Italiener am Eck, mein Garten der Stadtpark. Solange die Kinder klein waren, war das in Ordnung, ich traf mich mit anderen Altstadtmüttern auf Spielplatz und Liegewiese und fand das wunderbar.

Meine Gartenliebe tobte ich mit Stift und Kamera aus. Ich schrieb eine kleine Gartenserie für ein Wochenmagazin, träumte von einem Buch über Gärten in der Region, ging auch mal auf eine Gartenreise oder auf Rosenmärkte und Gartenfeste.

Meine Kinder wuchsen aus dem Spielplatz heraus und gingen lieber allein ins Freibad. Irgendwann fühlte ich mich nicht mehr wohl, wenn ich auf einer Picknickdecke im Park zwischen lauter Menschen lag, die nicht einmal halb so alt waren wie ich.

Ich zog in ein Haus aus der Jahrhundertwende und fand dort einen kleinen Vorgarten mit einer riesigen, toten, stinkenden Thuja und einer hässlichen Forsythie vor. Hinter dem Haus gibt es neben den Parkplätzen noch Parzellen mit Gemüsebeeten wie in den 50er-Jahren. Man erlaubte mir, mit dem Vorgarten zu machen, was ich will. Ich bekam eine dieser Gemüseparzellen. Jetzt habe ich zwei Gärten mitten in der Stadt. Für Blumen und Gemüse. Gärten für Grünstadtmenschen. Ich bin wild entschlossen, daraus blühende, duftende, summende und nahrhafte Paradiese zu machen.

Trotzdem werde weiter auf Gartenreisen gehen. Die Gärten anderer bewundern. Über Gartenmärkte und Rosenfeste schlendern. Bücher über Gärten und Gärtnerinnen lesen. Blumenläden und Gärtnereien besuchen. Und über all das schreiben.

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